Automatisch arbeitende Stationen + Selbsterklärung - WORKSHOP

Amateurfunkgeräte & Notfunktechnik, Support und Diskussionen.
Antworten
Benutzeravatar
Alex_DK5ER
Shackschrubber
Shackschrubber
Beiträge: 288
Registriert: Do 2. Nov 2017, 21:22
Wohnort: Wolfsburg
Kontaktdaten:

Automatisch arbeitende Stationen + Selbsterklärung - WORKSHOP

Beitrag von Alex_DK5ER » Mo 1. Jan 2018, 15:23

Die Genehmigung für automatisch arbeitende Funkstationen sind bei der Bundesnetzagentur zu beantragen.

Dieser Workshop soll unkompliziert und Schritt für Schritt dabei helfen, bei der BNetzA eine automatisch arbeitende Station zu beantragen und anschließend eine Selbsterklärung mit WATT32 (Anzeige ortsfester Amateurfunkanlage nach §9 BEMFV) zu erstellen.

Teil 1 - Der Antrag bei der BNetzA.

Ihr wollt also eine APRS-Station oder eine WINLINK-NODE betreiben, oder habt eine HAMNET-Antenne auf dem Dach, die 24/7 an ist? Dann ist spätestens jetzt der Zeitpunkt gekommen, ein Rufzeichen für eure automatisch arbeitende Station zu beantragen.

Schaut zunächst bei der BNetzA auf der Webseite, ob das gewünschte Rufzeichen noch frei ist: https://ans.bundesnetzagentur.de/amateu ... ichen.aspx

In Deutschland beginnen die Rufzeichen für automatische Stationen mit DB0 oder DL0...

Einige Dinge vorab:

Die Beantragung kostet (2018) einmalig 200€. Zur Zeit sind Änderungen, z.B. neue Frequenzen, jederzeit möglich und kostenfrei. Bei einer Bewilligung bekommt ihr eine Urkunde. Diese Urkunde gilt nur für diese eine Location, für die sie beantragt worden ist. Man kann also nicht mit einem Rufzeichen mehrere Standorte abdecken.
Anm. Karsten, DC7OS: Bitte nehmt vor dem Antrag bei der BNetzA Kontakt mit dem VUS-Referenten eures zuständigen Distriktes zur Vorkoordination auf, auch abgelehnte Anträge kosten 200€.
Nach der Bewilligung gilt die Urkunde 1 Jahr und muss 4 Wochen vor Ablauf des Bewilligungsjahres (nicht des Kalenderjahres!) verlängert werden. Ihr bekommt keine Erinnerung. Verpasst ihr die Verlängerung = 200€. Haben sich keine Veränderungen ergeben (neue Frequenzen etc.) wird die Urkunde nach dem 1. Jahr um weitere 3 Jahre verlängert. Ab dann muss man alle 3 Jahre verlängern.

Ändert sich etwas, kommen z.B. neue Frequenzen dazu, müsst ihr einen Änderungsantrag einreichen. Dann fängt das Ganze wieder von vorne an, Urkunde, 1. Verlängerung nach 1 Jahr, dann nach 3 Jahren usw.
Automatisch arbeitende Stationen müssen jederzeit aus der Ferne abschaltbar sein. Tipp: Fritzbox DECT-Steckdose.

Hier der Antrag als ausfüllbare PDF:
BNetzA_Antrag.pdf
Ich möchte mit euch zusammen einen Beispielantrag ausfüllen. Wir haben einen Standort, bei dem wir 4 Funkstellen betreiben wollen:

1. Einen APRS-Digi auf 144,800 MHz, 1k2 AFSK
2. Eine WINLINK-NODE auf 144,925 MHz, 1k2 AFSK
3. Eine WINLINK-NODE auf 438,100 MHz, 9k6 FSK
4. Einen HAMNET-Zugang auf 5 GHz.
BNetzA_Antrag_1.PNG
Noch alles selbsterklärend.

Seite 2 wird interessanter:
BNetzA_Antrag_2.PNG
Für jeden Betriebszweck ist eine Zeile auszufüllen. Strahlungsleistung von automatisch arbeitenden Stationen darf 15W (11,76 ERP in dBW) nicht überschreiten. Die Sendeart, Bandbreite, Datenrate, Höhe über Meeresspiegel (MSL) und über Grund ist anzugeben. Die Richtung (Azimut) ist in diesem Fall nur bei der HAMNET wichtig, die 2m/70cm Antenne in unserem Beispiel ist ein Rundstrahler (ND, NonDirection), also 360 Grad Öffnungswinkel, Vertikal polarisierend. Die Nutzungszeit ist 24h, also 1. Angabe zur Frequenz ist in unserem Beispiel N, also Neu.

Der Antrag ist an die

Bundesnetzagentur
Alter Hellweg 56
44379 Dortmund

zu schicken.

So, das war der einfache Teil.

Teil 2 - Die Selbsterklärung und Sicherheitsabstandsberechnung mit WATT32(c)

Vorwort:

WATT32 ist ein Programm zur Sicherheitsabstandsberechnung gemäß EN 50413 und BEMFV vom 14.08.2013 von Ehrhart Siedowski, DF3XZ. Das Programm ist eine Serviceleistung des DARC für seine Mitglieder sowie Mitglieder des VFDB. http://df3xz.de Unter dieser Adresse kann das Programm geladen werden.

Unsere Beispielberechnung soll eine Diamond X-510 2m/70cm Antenne berücksichtigen und einen endgespeisten Dipol. Unser TRX macht bei 2m/70cm 50W und bei Kurzwelle 100W.

Vorbereitung:

Wir benötigen:

1. Das Programm WATT32 von der o.g. Adresse
2. Einen Lageplan unseres Grundstücks
3. Optional eine Zeichnung unseres Gebäudes
4. Gut wären Strahlungsdiagramme unserer Antenne.

Zuerst bearbeiten wir den Lageplan. Den Lageplan bekommt man für wenig Geld beim Katasteramt, auch als PDF.

Hier zeichnen wir den von uns kontrollierbaren Bereich und die Antenne(n) ein.
lageplan.PNG
Falls eine Seitenansicht des Hauses vorhanden ist, auch da:
lageplan2.PNG
Gut. Jetzt das Programm WATT32 installieren und starten. Es öffnen sich 2 Fenster, das Hauptfenster und ein Optionsfenster:
watt32.PNG
Wir markieren mit der Maus die Spalte A und fangen mit der UKW-Antenne und 2m an:

Betriebsfrequenz: 144 (MHz)

Antenne: Wir klicken auf das Feld und im Optionsfenster öffnet sich der Reiter "Antenne". Wir scrollen bis zur Diamond X-510N, wählen die 144 MHz aus und drücken auf "Antenne nehmen":
watt32_antenne.PNG
Der Antennengewinn wird automatisch eingetragen.

Wir tragen im nächsten Feld die Montagehöhe der Antenne über Grund ein: 10 (m)
Hauptstrahlrichtung: ND (NonDirection), also 360 Grad.
Sendeleistung unseres TRX auf UKW: 50 (Watt)

Sendart: Es öffnet sich wieder ein Reiter im Menü Optionen: Sendeart. Wir klicken "alle Betriebsarten" an. Faktor für Sendeart: BNEtzA.
Die ungünstigste Konstellation wäre, wenn wir dauernd senden (1). Unten bei Sende/Empfangsverhalten können wir den TX - RX Zyklus in Minuten einstellen. Dieser Faktor ist für den Personenschutzabstand ausschlaggebend. Ich wähle mal 50/50 aus, also z.B. 1 Minute senden, 1 Minute empfangen: TX3-RX3. Der Faktor F(B) ist jetzt 0,50 und wird in die Tabelle automatisch eingetragen.
watt32_sendeart.PNG
Wir gehen weiter zu 9, Kabelverluste. Wieder öffnet sich ein Reiter bei Optionen: Kabel. Wir wählen unser Kable aus: EcoFlex 10. Die Kabellänge ist 30m, die zusätzliche Dämpfung durch Stecker lassen wir bei 0,3. Das Programm errechnet uns eine Dämpfung von 1,29.
watt32_kabel.PNG
Winkeldämpfung: Der ungünstigste Fall wäre, wenn die Antenne in ihrer Hauptstrahlrichtung direkt auf die Person trifft. Das ist natürlich für die Abstandsberechnung ausschlaggebend. Abhängig von der Aufbauhöhe, Antennenart, des Strahlungsdiagrammes oder anderweitiger Winkeldaten könnten wir hier unsere Winkeldämpfung eintragen. Beispiel: Bei unserer Vertikal müsste jemand auf 10m Höhe direkt auf der gleichen Ebene stehen, um die volle Strahlungsleistung abzubekommen. Das ist relativ unwahrscheinlich. Da das in unserer Beispielrechnung mit 50W eh unkritisch ist, lasse ich hier die Winkeldämpfung bei 0 Grad.
watt32_winkel.PNG
Jetzt sind wir quasi fertig. Wir klicken auf "Datenblatt berechnen". Wenn das Feld grün wird, hat die Sicherheitsabstandsberechnung geklappt. So gehen wir mit allen Antennen und allen Frequenzen die wir benutzen, vor.

Bei 13 können wir optional den vorhandenen Sicherheitsabstand eintragen (3m über Grund!).

Bei Drahtantennen berechnet das Programm den Sicherheitsabstand nach Prof. Wiesbeck. Im Reiter "Wiesbeck" unter Optionen können wir die passende "Wiesbeck Antenne" aussuchen. Berechnungen nach Wiesbeck werden im Datenblatt mit Sternchen * hinter dem Wert angezeigt.
watt32_wiesbeck.PNG
Jetzt fehlen nur noch im Optionsfenster die Daten bei "User".
watt32_user.PNG
Nach dem Vervollständigen unserer Daten gehen wir auf Formulare und "Alles drucken". Wir klicken noch die "Nahfeldberechnung" an, (Messung haben wir ja nicht gemacht) und kreuzen unten an, was bei der Dokumentation beiliegt. Mit "OK" werden 2 PDF-Dokumente erzeugt, die wir ausdrucken und zusammen mit dem Lageplan und ev. Antennendiagrammen zu unseren Unterlagen legen.
Hinweis: Beim drucken der Dokumente öffnet sich das Explorerfenster, wo wir selbst einen Namen eingeben müssen, das ganze 2 Mal (Anzeige + Datenblätter).
Die Selbstanzeige kann man auch zur Bundesnetzagentur schicken, nach Magdeburg:

Bundesnetzagentur
Kaiser-Otto-Ring 16
39106 Magdeburg

So, das war jetzt der Schnelldurchlauf ;-)
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
73 Alexander, DK5ER
Notfunkreferent H24
dk5er@darc.de

db1wda
Schaut sich noch um.
Schaut sich noch um.
Beiträge: 15
Registriert: So 5. Nov 2017, 21:37

Re: Automatisch arbeitende Stationen + Selbsterklärung - WORKSHOP

Beitrag von db1wda » Di 2. Jan 2018, 00:35

Hey Alex,

absolute Meisterleistung. Hast Du prima gemacht.

Gut`s Nächte

DB1WDA

Benutzeravatar
DD2MIC
Lernt gerade alles kennen.
Lernt gerade alles kennen.
Beiträge: 36
Registriert: Fr 3. Nov 2017, 10:08
Wohnort: Könau
Kontaktdaten:

Re: Automatisch arbeitende Stationen + Selbsterklärung - WORKSHOP

Beitrag von DD2MIC » So 7. Jan 2018, 21:52

Ich hab da mal eine Frage zu der jederzetigen Abschaltung.

Es steht ja in der AFuV in Anlage 1:
http://www.gesetze-im-internet.de/afuv_ ... age_1.html
Da sieht man "Der Inhaber der Rufzeichenzuteilung muss sicherstellen, dass fernbediente Amateurfunkstellen jederzeit abgeschaltet werden können"

Das führt die Frage aber weiter, denn was bedeutet nun "jederzeit" genau. (Natürlich ist dieses Beamtendeutsch der Verordnungen immer so geschrieben, daß es interpretierbar bleibt...)
- "Jederzeit" wäre für mich auch ein eindeutig beschrifteter und von jedermann eindeutig bedienbarer Schalter am Relaisschrank, mit dem man das Relais ausschalten kann.
Es bedarf keiner besonderen Verfahren dafür. Jeder der zum Relais kommen kann, kann es jederzeit machen, wenn es auf Grund z.B. einer Störung nötig sein sollte.
(Und das sind auf gemeinsam genutzten Standorten durchaus einige. z.B. Techniker anderern Firmen, Hausmeister...)

- "Jederzeit" heißt erstmal nicht direkt "sofort nach dem bekantwerden einer Störung, innerhalb von Zeitspanne X" oder sowas.

Nur aus diesem Satz würde ich im Moment erstmal nicht sofort die Notwendigkeit z.B. einer HF-Relaisversteuerung oder einer Fernsteuerung per HAMNET oder komerz. Systemen ableiten.
Hat man sie doch, kommt man sofort weiter auf die Frage der Verlässlichkeit, also was passiert, wenn mal die Fernsteuerung nicht geht und sie auf Grund "ext. Bedarfe" zum Einsatz kommen soll.

Gibt es da wiklich eindeutige Aussagen zu?

Antworten